


| Magazin | ![]() |
News | Interview/Portrait | Kommentare | Archiv | |
| Interview/Portrait | An einem guten Tag bin ich schwer zu halten | |||
Patrick Wunderbaldinger im Gespräch über seinen sportlichen Werdegang und seine Ansichten zum einzig wahren Wiener Derby.![]() Gleich mal zu Beginn: Wie kommt man eigentlich dazu, Fußballer zu werden? Fußball spielen ja fast alle Buben - aber woher kommt dann die Idee, daraus wirklich einen Beruf zu machen? Ich habe von klein auf leidenschaftlich gern Fußball gespielt und war auch immer gemeinsam mit meinem Vater am Fußballplatz. Mit 7 oder 8 Jahren hast du natürlich noch nicht das Ziel des Profifußballs vor Augen – da spielst du einfach gern und das hat sich bei mir eben im Lauf der Zeit intensiviert. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man merkt, dass man ja gar nicht so schlecht ist und sich überlegt, es halt mal zu probieren – man hat ja nichts zu verlieren. Begonnen hast Du bei der Admira? Davor habe ich von 7 bis 13 bei einem ganz kleinen Verein in Statzendorf gespielt und bin dann zur Admira ins Internat in der Südstadt gegangen. Über die Akademie bin ich mit 18 in die Kampfmannschaft gekommen und habe dort vier Jahre gespielt, wobei ich für ein Jahr an den LASK verliehen wurde. Insgesamt waren das 25 Spiele für die Admira und weitere 25 bis 30 für den LASK in der zweiten Liga. Du hast drei Einsätze in der U21 gehabt. Woran lag es, dass aus dem Traum vom Erstligafußball nichts Dauerhaftes wurde? Wenn man als junger Spieler erfolgreich ist, nimmt man einfach noch nicht wahr, dass jedes Jahr wieder neue, talentierte Spieler nachkommen und ist deshalb überzeugt, dass man immer zumindest in der zweiten Liga unterkommen wird. Tatsächlich kann es aber nicht nur schnell nach oben, sondern auch schnell wieder nach unten gehen, wenn man nicht immer dranbleibt. Mit Schwadorf bist Du ja Meister geworden. Zweimal, ja - zuerst in der Landesliga und dann in der Regionalliga. Ich wollte auch durchaus mit dem Verein aufsteigen und hatte schon eine mündliche Vereinbarung für die Vertragsverlängerung, habe dann aber im Urlaub aus den Medien erfahren müssen, dass daraus nichts wird und ich nach St. Pölten wechseln soll. Darüber war ich natürlich schon sehr verärgert und das hat mich dann trotz des höheren Verdiensts nicht mehr interessiert. Dann hat fast schon in letzter Minute die Vienna Interesse an mir gezeigt, wobei in der Regionalliga eh nur Vienna und Sportklub für mich in Frage kamen. Ein Wechsel zum Sportklub war zu diesem Zeitpunkt aber schon kein Thema mehr, der hatte seine Spieler schon mehr oder weniger zusammen. ![]() Jetzt bist Du nach dem einjährigen Umweg über den heutigen Gegner doch noch bei uns gelandet und hast bisher drei Tore geschossen, bist bester Vorbereiter (6) und hast die meisten Einsatzminuten nach Michael Harrauer absolviert. Bist Du zufrieden mit Deiner bisherigen Zeit beim Sportklub? Im Großen und Ganzen war ich bis jetzt sicherlich erfolgreich, aber man will klarerweise immer noch mehr erreichen, noch mehr Tore schießen. Man wird ja dadurch auch wieder motiviert, wenn man Tore erzielt. Schön ist, dass hier auch die Assists wahrgenommen und gewürdigt werden, das ist nicht überall der Fall. Am meisten motivieren jedoch auch mich geschossene Tore und da kann ich mich sicher noch verbessern. Nicht zufrieden bin ich manchmal mit meinem Defensivverhalten. Ich hab ja auch schon links in der Verteidigung gespielt, weiß also, dass ich das kann, nur gelingt es mir zurzeit nicht ideal, das umzusetzen. Woran liegt das und wie kam es dazu, dass ein Spieler mit Deinen Offensivqualitäten auf der Position des Linksverteidigers landet? Naja, man muss es so sehen: Wenn ich hinten spiele, bin ich darauf eingestellt. In Schwadorf habe ich auch das ganze halbe Jahr links hinten gespielt, weil vorne der Michael Wagner war. Das war schon eine schwierige Situation, weil ich immer ein Offensivspieler war. Sie haben dann aber einen Brasilianer für die Verteidigung geholt, und der hatte natürlich erstmal einen Bonus, weil er ein neuer Spieler ist und aus Brasilien kommt und sicher gut spielt. Ich hab mich dann im Winter, im Lauf der Vorbereitung, hinten hineingespielt, weil ich gewusst habe, ich muss meine Chance in der Verteidigung suchen. Ich habe damals noch nicht gewusst, dass ich diese Position auch spielen kann, aber ich wusste, dass sie relativ einfach ist, wenn man sie korrekt ausführt. Darum war ich mir eigentlich sicher, dass ich sie spielen kann. Und über diese Position hab ich mich dann in Schwadorf im Frühjahr hinein gekämpft. Beim 2:0-Heimsieg im Meisterschaftsjahr von Schwadorf gegen den Sportklub ist auch hinten nichts angebrannt, das war ein trockener Sieg – ich bin dabei aber wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Der Verein war natürlich zufrieden, ich persönlich aber nicht so. Wenn du von der Offensive kommst, willst du auch als Verteidiger einfach immer wieder offensive Szenen haben. Bei diesem Match haben die Sportklubanhänger ihr Team noch fast eine Stunde nach Spielende besungen und einige Spieler waren angesichts der Solidarität in der für die Meisterschaft entscheidenden Niederlage den Tränen nahe – wie fühlt sich das als Spieler der gegnerischen Mannschaft an? Ja, das ist natürlich schon erstaunlich. Man weiß das zwar vorher – wenn man in der Liga spielt oder auch einfach, wenn man in Wien zuhause ist, kennt man den Sportklub und seine Fans ja und weiß, wie sie als Zuseher auftreten. Aber es ist als Gegenspieler schon eine irre Situation, wenn der Gegner trotz Niederlage so bedingungslos unterstützt wird, mit mehr Herzblut als die meisten Mannschaften in Österreich bei einem Sieg. ![]() Nochmal zurück zur Vienna: Was war der ausschlaggebende Grund, dort wegzugehen? Die Ziele waren in dieser Saison ganz klar auf den Aufstieg ausgelegt und wir hatten dementsprechend eine völlig neu zusammengestellte und auch sehr teure Mannschaft. Danach wollten sie dann das Budget deutlich kürzen, ich war aber eigentlich überzeugt, dass ich mit einem abgespeckten Gehalt bleiben werde. Ich hatte davor beim Spiel gegen Zwettl seit langem wieder einmal im Mittelfeld gespielt und das ist wirklich sehr gut gelaufen. Danach wurde mir zugesichert, dass ich bleiben soll - die endgültige Unterschrift hat sich dann aber immer weiter verzögert. Dann kam das legendäre 2:0 gegen den Sportklub... 2:1 Stimmt, 2:1. Auf jeden Fall haben wir da grottenschlecht gespielt und haben offensiv gar nichts gemacht. Und danach wurde dann bei mir und auch bei einigen anderen Spielern nicht mehr über eine Verlängerung gesprochen. Viele Derbybesucher behaupten ja, fast keinen Unterschied zwischen den beiden Vereinen feststellen zu können. Was sind denn für Dich die wichtigsten Unterschiede? Die Vienna ist auf jeden Fall ein sehr gut geführter Verein, da gibt’s nichts zu sagen. Viele Trainingsmöglichkeiten – wie auch beim Sportklub – und auch das Trainingslager. Das Drumherum war aber nicht so positiv und homogen, da fühlt man sich dann einfach weniger wohl. Wir haben zwar nicht gestritten, aber wir waren doch eher viele Einzelkämpfer und nicht so eine eingeschworene Mannschaft. Hier ist die Stimmung viel lockerer, es wird auch mehr gelacht und gescherzt. Dadurch wird das Ganze sozusagen zu einem Selbstläufer: Wenn’s passt, dann passt’s – und das kommt natürlich auch innerhalb der Mannschaft zustande. Das heißt also, die Unterschiede spielen sich eigentlich überwiegend innerhalb der Kabine ab? Ja, zum Großteil schon. Es kommt aber natürlich auch eine familiärere Atmosphäre von außen, von den Zuschauern herein. Es ist einfach alles weniger unpersönlich. Wie denkst Du über die Entscheidung des Sportklubs, gegebenenfalls auf den Aufstieg in die Erste Liga verzichten zu wollen? Das wäre ja nie ein Thema gewesen, wenn der Erfolg nicht da wäre. Es hat ja niemand damit gerechnet, dass wir überhaupt so viele Punkte holen. Und von der finanziellen Seite her ist es ja sowieso verständlich und auch vernünftig. Wenn der Sportklub aufsteigt, sollte das auch eine möglichst dauerhafte Entwicklung sein und dafür ist halt auch eine gewisse Basis notwendig. Ein kurzes Abenteuer bringt da ja nichts – und letztendlich sollte es ja um den Aufstieg ganz nach oben gehen. Hast du schon überlegt, was Du nach Deiner Fußballerkarriere machen möchtest? Ich habe mich vor Kurzem bei der Polizei beworben und da schaut es bis jetzt eigentlich ganz gut aus. Da gibt es ja viele verschiedene Sparten und Spezialeinheiten, das könnte ich mir schon als berufliche Laufbahn vorstellen. Du bist ein sehr fairer Spieler und bekommst kaum Verwarnungen. Viele Fußballer verhalten sich ja am Platz ganz anders als abseits davon – bei Dir hat man aber den Eindruck, dass da kein Unterschied ist. Das liegt sicher auch daran, dass ich mich, wie gesagt, schon eher in die Offensive verlege. Wenn ich rein defensiv spielen würde, hätte ich bestimmt mehr gelbe Karten. Auch taktische Fouls kommen ja dadurch bei mir eher selten vor. Auf welchen Gegenspieler freust Du Dich denn heute gegen Deinen Ex-Verein am meisten? Ich weiß ja nicht, wer gegen mich spielt. Das Cup-Match war eigentlich gar nicht schlecht, aber in der zweiten Partie war ich dann grauenhaft. Im ersten Match ging es gegen den Philipp Frenzl – mir sind aber Spieler lieber, die auch ein bisschen nach vorne gehen und nicht nur stur hinten stehen. Am Ende ist es vor allem von mir abhängig. Wenn ich einen guten Tag habe, wird mich in dieser Liga nur schwer jemand halten können. ![]() Dieses Interview ist erstmals in der Stadionzeitung alszeilen #12 (03.04.2009) erschienen. Fotos: Simone Schuller 15-04-2009 © Wiener Sportklub [1541] - [drucken] | ||||
Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | AGBs © 2003 - 2013 wienersportklub.at |
