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| Interview/Portrait | Ich mache mir, was den Nachwuchs betrifft, keine Sorgen um die Zukunft - Interview mit Slobodan Batricevic | |||
| Nach dem Auswärtsspiel gegen FAC Team für Wien nahm sich Slobodan Batricevic die Zeit für ein längeres Gespräch mit den ALSZEILEN. Dabei ging es um eine Spielanalyse, seine Stationen im Fußballgeschäft und den Nachwuchs beim Wiener Sportklub. Wie sieht die erste Analyse des Trainers unmittelbar nach dem Spiel gegen den FAC aus? BATRICEVIC: Die erste Halbzeit haben wir sehr diszipliniert gespielt. Wir haben hinten zugemacht. Vorne zwei, drei nicht schlechte Möglichkeiten gehabt z.B. durch Wunderbaldinger. Der Gegner war eher passiv und konnte nichts machen. Wir haben dann – ich kann das so sagen – ziemlich früh das Führungstor gemacht. In der 53. Minute, glaube ich. Und wir haben dadurch eigentlich den Gegner aufgeweckt. Dann waren die viel aktiver. Durch die Ampelkarte vom Kayhan sind wir in Unterzahl geraten und da war eine Phase, wo wir 10 oder 12 Minuten lang große Schwierigkeiten hatten, überhaupt die Ordnung in das Spiel zu bringen – wer vorne bleibt und wer auf der rechten Seite. Nach einer gewissen Zeit hat der Gegner dann auch einen Spieler durch Gelb-Rot verloren und es war wieder die gleiche Anzahl von Spielern bei beiden Mannschaften auf dem Platz, aber wir haben uns mittlerweile immer mehr reindrängen lassen. Das ist die fehlende Routine. Die Mannschaft ist jung, besonders die Abwehrspieler. Wir haben dann viel zu wenig nach Vorne gemacht. Es gab keine Entlastung und dadurch haben wir Probleme gehabt. Ehrlicherweise muss man sagen, dass der FAC zwei oder drei hochkarätige Torchancen gehabt hat. So gesehen geht das 1:1 in Ordnung. Was weh tut, ist die Tatsache, dass wir den Ausgleich drei Minuten vor Schluss kassiert haben. Hätten wir aber in der 91 Minute das zweite Tor gekriegt, wäre es noch schlimmer gewesen. Also mit dem Punkt muss man einfach zufrieden sein. Hätte man mir oder der Mannschaft vor dem Match einen Punkt angeboten, dann wären wir zufrieden gewesen. Über die Art, wie der Ausgleich zustande gekommen ist, kann man sich ärgern, aber Schiedsrichterentscheidungen sind einfach Tatsachenentscheidungen. Es gab im Spiel doch einige strittige Situationen bei den Schiedsrichterentscheidungen. Ich habe die Mannschaft gewarnt. Es ist einfach so, dass der Sportklub in den letzten Saisonen doch Probleme mit Wiener Schiedsrichtern hat. Das kann man ruhig sagen. Dadurch war ich auch skeptisch, was heute passiert. Um es ehrlich zu sagen, es gab wieder strittige Situationen. ![]() Michael Harrauer hat gegen den FAC zwei, drei hundertprozentige Chancen durch Glanzparaden abgewehrt und tolle Paraden gezeigt. BATRICEVIC: Er hat auch gegen Ostbahn und die Vienna gezeigt, dass er auf der Linie ein sehr, sehr guter Tormann ist. Dazu hat er heute gezeigt, dass er auch bei Flanken gut ausschauen kann. Die Strafraumbeherrschung bei hohen Bällen war wesentlich besser als in den Spielen zuvor. BATRICEVIC: Das war sehr wichtig, denn der FAC ist eine der besten Mannschaften bei Standardsituationen. In der ersten Halbzeit hat er praktisch jeden hohen Ball im Fünfer souverän geklärt. Schandl war ja ein sehr zentrales Element für den Spielaufbau, bis er ausgewechselt wurde. War er angeschlagen oder warum ist er ausgewechselt worden? BATRICEVIC: Nein, es war eine taktische Maßnahme in Unterzahl. Es war natürlich die Idee dahinter in numerischer Unterlegenheit statt mit 4-4-2 mit 4-4-1 zu spielen. Ich habe mich für Akaslan vorne entschieden, weil der wesentlich wichtiger im Strafraum bei Standardsituationen ist. Er kann auch den Ball lange halten, obwohl der Schandl dabei auch ein Meister ist. Auf der rechten Seite war die Idee, einen schnellen und beweglichen Spieler einzusetzen und das ist der Homm. Das war die taktische Maßnahme. Ansonsten bin ich froh, dass der Christian die 62 Minuten brav gespielt hat, weil er hat die letzten zwei Wochen wieder Probleme mit der Muskulatur gehabt. Ich kann es verstehen, wenn er wegen der Auswechslung ein wenig frustriert ist. Egal, ob das für die Mannschaft gut oder schlecht ist. Jedem tut es weh. Aber der Christian begreift das. Das war eine reine taktische Maßnahme. Mit der Leistung von ihm hatte es nichts zu tun. ![]() Die zweite Phase als Cheftrainer des Wiener Sportklubs ist bisher eine, über der die Schlagzeile „Ungeschlagen!“ stehen könnte. Mit den Testspielen ist es eine Serie von sieben oder acht Spielen, in der die Mannschaft noch nicht verloren hat. BATRICEVIC: Ja, aber man sollte die Testspiele nicht überbewerten. Ob man gegen Rennweger SV und Ankerbrot gewinnt oder verliert in der Vorbereitungsphase, ist für mich mehr oder weniger egal. Aber wichtig ist, dass einige Sachen im Spiel passen. Allerdings hat sich die Mannschaft in den Bewerbsspielen gegen die Vienna und den FAC bei zwei Titelfavoriten mehr als ehrbar geschlagen. Es ist also schon ein Potential in der Mannschaft? BATRICEVIC: Irgendwie spielt sich das im Kopf ab. Wir spielen gegen die favorisierten Mannschaften wie Vienna oder FAC, da ist die Ernsthaftigkeit voll dabei. Wir spielen diszipliniert. Wir lassen dem Gegner zwar Chancen, aber die Effizienz ist trotzdem dabei. Andererseits, wenn man gegen Ostbahn spielt, dann muss man zuhause auch ein bisschen mehr riskieren. Das Defensivverhalten ist dann nicht optimal und man kriegt dann auch die Tore. Es ist also nicht nur die Abwehrreihe. Man sagt, wir stehen hinten schlecht. Aber die ganze Mannschaft schießt die Tore und die ganze Mannschaft bekommt die Tore. Wenn sie eines Tages ganz begreifen, dass wir ein Team sind, dann ist es super. ![]() Sie haben in ihrer Zeit beim Sportklub ja auch Nackenschläge hinnehmen müssen. Sie hatten schon einmal eine kurze Zeit als Cheftrainer mit dem Herrn Kaipel an ihrer Seite. Jetzt haben sie sich am Ende der letzten Saison – zum Glück für den Verein und zur Freude der AnhängerInnen – dazu entschieden, wieder den Cheftrainerposten zu übernehmen. Das war sicher keine leichte Entscheidung? BATRICEVIC: Das war keine leichte Entscheidung. Ich muss jetzt aber auch ehrlich sagen, dass dabei der ehemalige Präsident Herr Dvoracek eine entscheidende Rolle gespielt hat. Er hat mich finanziell unterstützt bei der Entscheidung. Er hat mich überreden können und ich will mich bei ihm bedanken, dass ich dann wieder Cheftrainer geworden bin. Es war die richtige Entscheidung, finde ich jetzt. Die vergangene Saison, das vergangene Jahr war auch ein angenehmes Jahr. Die Arbeit mit der Jugend hat wahnsinnig großen Spaß gemacht. Und wie Ihr schon gesehen habt, einige Spieler davon sind schon im Kader der Kampfmannschaft. Und ich kann Euch auch sagen, dass wir für die Zukunft noch einige gute Jahrgänge im Verein haben. Ich mache mir, was den Nachwuchs betrifft, keine Sorgen um die Zukunft. Ist der Eindruck von den Vorbereitungsspielen der U23 richtig, dass es wieder ein starker Kader ist? BATRICEVIC: Der Kader ist gut. Es ist wichtig für die neuen Jungen, dass die praktisch wieder die ersten Erfahrungen im Erwachsenenfußball machen. Dass die in einer echten Liga spielen. Und natürlich, Garantie gibt es keine. Manche werden Fortschritte machen, manche werden stagnieren. Für die ehemaligen U23-Mannschaftskollegen von Grozurek, Komarac und Bikic wird es wahrscheinlich ein besonderer Anreiz sein, sich in dieser U23-Saison ins Schaufenster zu stellen und sich auch für die Erste zu empfehlen? BATRICEVIC: Ich habe den Jungen – Grozurek, Komorac und Bikic – klar gemacht, dass das eigentlich ein Lehrjahr für sie ist. Sie dürfen nicht damit rechnen, dass sie gleich von Anfang an Stammspieler werden. Sie müssen lernen und Fortschritte machen. Die waren voriges Jahr noch bei der U17, dann bei der U19, dann bei der U23. Bei ihnen ist es sehr schnell gegangen. Und jetzt sind sie bei der Kampfmannschaft. Jetzt müssen sie sich ein wenig Zeit nehmen. Die Routine, die Reife kann man nicht kaufen. Die kommt mit der Zeit. Viele sind sicherlich an genaueren Informationen über den sportlichen Werdegang des Slobodan Batricevic interessiert. War OFK Beograd eigentlich der Jugendverein? BATRICEVIC: OFK Belgrad war und ist eigentlich immer der dritte Verein neben Roter Stern Belgrad und Partizan Belgrad. Ein anständiger Verein. Ein Traditionsverein. Ist ja noch immer ein Erstligist in Serbien. Dort habe ich praktisch den ersten Profivertrag unterschrieben. Und ich habe alle neun Jahre – das waren ja noch die Zeiten mit Vereinstreue usw. –, die ich im ehemaligen Jugoslawien gespielt habe, immer bei meinem Heimverein gespielt. Bis 1985? BATRICEVIC: Ja, bis 85. ![]() Welche Positionen? BATRICEVIC: Ich habe an mehreren Positionen in der Abwehr gespielt. Linker Außendecker, Libero, Vorstopper und ich habe auch im defensiven Mittelfeld gespielt. Ich war kein großer Spieler, aber ein guter Spieler. Und ich habe es dann geschafft, einmal für das Team im ehemaligen Jugoslawien zu spielen. Und darauf bin ich stolz. Das kann nicht jeder von sich sagen. Welches Spiel war das? BATRICEVIC: Das war ein Freundschaftsspiel in Rumänien. 1983 war das. Also vor 25 Jahren. Wer war damals Trainer? BATRICEVIC: Der Teamchef war Todor Veselinović. Interessanterweise ein ehemaliger Vienna-Spieler. Ich glaube, dass er 1960 oder 1961 bei der Vienna gespielt hat. Aber ich kann mich nicht mehr gut erinnern. (Anm. d. Red.: Unser Trainer kann sich sogar sehr gut erinnern. Veselinović war von 1962-64 bei der Vienna). Und sein Asisstent war ein gewisser Tomislav Kaloperović, der beim Sportclub gespielt hatte (Anm. d. Red.: 1962-63). Also es gab schon Spieler, die für den Sportclub gespielt haben. Aber das waren noch andere Zeiten. BATRICEVIC: 1985 bin ich dann nach Österreich gekommen. Ich habe zuerst zwei Jahre bei der Vienna gespielt. Zwei schöne Jahre muss ich sagen. Das war überhaupt mein erster Kontakt mit Österreich. Ich hatte also Probleme mit der Sprache. Aber es gab eine super Kameradschaft. Peter Webora war der Kapitän. Bei der Mannschaft hat auch der Kempes gespielt. Also neue Erfahrungen, neue Erlebnisse. Dann war ich vier Jahre beim Kremser Sportclub, auch erfolgreich. Aufstieg in die erste Liga, Cupsieg noch als Zweitligist im Spiel gegen Tirol – gegen Ernst Happel. Dann war ich die letzten zwei Jahre in der Bundesliga beim LASK unter Senekowitch, auch erfolgreich. Wir haben den Aufstieg von der 2. in die 1. Liga geschafft. Und dann begann eigentlich meine Trainerkarriere 94 als Spielertrainer zuerst bei EPSV Gmünd in der Regionalliga Ost. Wo ich noch immer bin... ...noch... BATRICEVIC: Ja...ich war zweieinhalb Jahre bei EPSV Gmünd in der Regionalliga, dann war ich ein Jahr als Spielertrainer bei Retz in der Landesliga – auch mit Václav Daněk. War auch eine sehr gute Mannschaft in der Landesliga. Dann habe ich eigentlich im höheren Bereich aufgehört zu spielen, obwohl ich noch immer im unteren Bereich in der 1. Klasse spiele. Noch immer spiele – mit fünfzig Jahren. Nach Retz war ich in der 2. Liga Co-Trainer von Peter Barthold bei der Vienna. Dann bin ich nach Steyr gegangen zu Vorwärts in die damalige Max-Liga bzw. T-Mobile Max Liga. Dem Verein ist es leider schlecht gegangen. Ein Traditionsverein mit vielen Zuschauern und einer super Stimmung, aber das Geld ist ausgegangen und es war aus. Dann habe ich mich für die Nachwuchsarbeit entschieden. Ich habe von meinem ehemaligen Verein LASK ein Angebot bekommen. Ich habe dort fünf Jahre in der Toto-Jugendliga mit der U19-Mannschaft gearbeitet. Das waren auch fünf schöne Jahre im Akademiebereich. Ich kann jetzt auch stolz darauf sein, dass Spieler wie Hoheneder, Klein, Zaglmair, Vujic bei Salzburg oder Winkler und Riedl bei Vöcklabruck und noch einige andere, die ich nicht alle nennen kann, dass die jetzt in der Bundesliga spielen. Das ist für jeden Trainer eine Genugtuung – für jeden Lehrer eigentlich. ![]() Das merkt man auch sehr stark, dass sie ein Auge haben für junge Spieler. Dass sie die Fähigkeit haben, junge Spieler weiterzuentwickeln. Das hat man alleine schon letztes Jahr bei der U23 gesehen. Vielleicht abschließend noch etwas: Der Sportklub ist – zumindest in unserem Verständnis – ja auch eine kleine Besonderheit in Österreich, was die Fans betrifft. BATRICEVIC: Von den Fans hundertprozentig. Wenn man bedenkt, dass der Verein in der Regionalliga im Schnitt so viele Zuschauer hat, dann ist das sehr gut. Es gibt immer eine gewisse Stimmung im Stadion, was nicht überall der Fall ist. Das war z.B. auch beim Kremser Sportclub so. Solange es gut geht, gibt es schon Zuschauer. Aber nach der ersten Niederlage kommen nur 250 oder 180. Es ist natürlich nicht überall das Gleiche. Und dass die Zuschauer, die Fans auch nach einer Niederlage oder nach einer eher schlechteren Leistung die Mannschaft beklatschen und mit Applaus in die Kabine schicken, ist unglaublich – englische Verhältnisse. Spannend ist auch, dass sie nach einer Zeit der Zurückstellung jetzt umso beliebter sind bei den Fans, weil sie die Situation damals mit Charakter ertragen haben und einfach gesagt haben, ich möchte für den Verein arbeiten. Das ist ja eigentlich auch sehr ungewöhnlich. BATRICEVIC: Da möchte ich ein Kompliment an die Spieler Szabo, Cehajic und Schandl aussprechen, die sich vor ca. eineinhalb Monaten auch für einen Verbleib beim Verein entschieden haben. Das war vielleicht überhaupt entscheidend für die Verpflichtung der weiteren guten Spieler damals. Wie kam es eigentlich ursprünglich zum Engagement beim Sportklub? BATRICEVIC: Ursprünglich? Es gibt eine Vorgeschichte. Als Peter Segrt entlassen wurde, war ich als einer von mehreren im Gespräch. Ich war noch beim Kremser Sportclub. Dann ist der Dominik Thalhammer Trainer geworden. Als ein Jahr später Dominik Thalhammer sozusagen „ausgetauscht“ wurde, wurde ich wieder von Herrn Kaipel und Herrn Dvoracek angesprochen. Und das ist dann ziemlich schnell gegangen. Also war es so gesehen nicht eine plötzliche Entscheidung, sondern sozusagen mit einem Jahr „Vorlaufzeit“. Ein Wechsel von Schwarz-Weiß zu Schwarz-Weiß sozusagen. BATRICEVIC: Genau. Herzlichen Dank, dass sie sich nach dem FAC-Spiel für dieses längere Gespräch Zeit genommen haben. Fotos: JIMMY MÜLLER ![]() ![]() Hinweis: Teile dieses Gesprächs finden sich in der ALSZEILE NR 02 – JG 2008/2009. © Wiener Sportklub [1769] - [drucken] | ||||
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