Wiener
Sportklub
Interview/Portrait
„U23-Papas“ über Motivationen, Ziele und Perspektiven


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„U23-Papas“ über Motivationen, Ziele und Perspektiven
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Interview mit dem neuen Chef-Trainer

Dass die U23-Führungsspieler Alexander Ehn und Mag. Albert Mühlbacher nicht nur auf dem Feld die richtige Anwort parat haben, beweisen sie im folgenden aufschlussreichen Gespräch.

wienersportklub.at: Im Frühjahr/Sommer 2007 wurde die U23 zusammengestellt. In den Überlegungen der Verantwortlichen habt ihr von Beginn an eine wichtige Rolle gespielt, weil man für die junge Mannschaft Führungsspieler brauchte. Was war Eure Motivation, diese Herausforderung anzunehmen?

Alexander Ehn: Junge Menschen an meinen bisher gesammelten Erfahrungen teilhaben zu lassen, sie auch zu unterstützen und ihnen den Fußball etwas schmackhafter zu machen; auch im privaten Bereich möchte ich die Burschen unterstützen.

Mag. Albert Mühlbacher: Herr Dvoracek ist an mich herangetreten und hat mir von der Idee erzählt. Ich halte den Zugang, die Kampmannschaft so weit wie möglich mit „eigenen“ Kräften aufzufüllen, für den einzig richtigen. Umso interessanter war es daher für mich, ein Teil dieser Idee zu sein und meine bescheidene Erfahrung an die Nachwuchsspieler weiterzugeben.


wienersportklub.at: Aus sportlicher Sicht war die Einteilung der WSK-U23 in die Oberliga ein echter Glücksfall. Hättet ihr das Sportklub-Angebot auch angenommen, wenn man in die 1. Klasse eingeteilt worden wäre?

Mag. Albert Mühlbacher: Auf jeden Fall, weil es sich so oder so nur um eine Zwischenstation gehandelt hätte und das Ziel dahinter den Ausschlag gab.

Alexander Ehn: Ja, natürlich. Die Herausforderung ist eher nicht die Liga, sondern die jungen Spieler. Es wäre auch in einer 1. Klasse einiges zu bewegen gewesen, da die jungen Spieler Potenzial haben und Willen zeigen.


wienersportklub.at: Die Kaderzusammenstellung für die U23 war nicht ganz einfach. Einige im vergangenen Sommer verpflichtete Spieler haben den Verein schon wieder verlassen. In der Winterpause wurde dann verstärkt auf eigene Nachwuchsspieler gesetzt. Wie seht ihr diese Entwicklung?

Alexander Ehn: Es hat Handlungsbedarf gegeben, aber aus dem eigenen Nachwuchs sind sehr gute Spieler nachgerückt und die, die geblieben sind, haben sich in der Herbstsaison bewiesen.

Mag. Albert Mühlbacher: Ich kann mich nur wiederholen - das ist gut so. Der Nachwuchs ist doch das Kapital eines jeden Vereins! Mir kommt es oft so vor, als wäre das vielen Vereinen nicht bewusst. Wozu macht man sich sonst die Mühe einen Nachwuchsbetrieb aufrechtzuerhalten, wenn ich nicht einen Plan habe, die Spieler nach ihrer Ausbildung in der Kampmannschaft einzusetzen. Der Sprung von Nachwuchsspielen zu Bewerbsspielen in einer Kampfmannschaft ist ein nicht zu unterschätzender und oft zu groß. Um nur zwei Punkte zu nennen: alleine Tempo und Zweikampfverhalten bedeuten einen gewaltigen Unterschied und es gibt noch viele andere. Daher ist es sehr wichtig, den jungen Spielern eine „Zwischenstation“ zu bieten.


wienersportklub.at: Ihr ward beide – teils selbst in jungen Jahren - Mitglieder der Kampfmannschaft. Ohne Namen zu nennen: seht ihr den einen oder anderen U23-Nachwuchskicker, der mittelfristig den Sprung in die Kampfmannschaft schaffen könnte?

Mag. Albert Mühlbacher: Es haben sicher einige das Talent in der Kampfmannschaft zu spielen. Aber Talent alleine reicht nicht aus, um im heutigen Fußball bestehen zu können. Das versuche ich den Spielern mitzugeben.

Alexander Ehn: Jeder hat die Chance in die Kampfmannschaft zu kommen. Es ist natürlich sehr schwer und desto höher man spielen will, umso stärker wird die Konkurrenz. Man kann sich nur mit sehr viel Ehrgeiz, Engagement, Willen und Können im Profifußball durchsetzen. Gerade jetzt sollen die jungen Spieler die Chance in der U23 nützen und aufzeigen, um in die Kampfmannschaft aufrücken zu können. Die Möglichkeiten, fast jedes Spiel vor Kampfmannschaftstrainer Peter Schöttel spielen zu dürfen, sollte man als Herausforderung annehmen.


wienersportklub.at: Wie seid ihr grundsätzlich mit der Entwicklung der U23 in den letzten neun Monaten zufrieden?

Alexander Ehn: Es war durch die großen Kaderänderungen nicht immer leicht, dass sich eine fixe Mannschaft heraus kristallisiert. Es kommen immer wieder andere Spieler der Kampfmannschaft und in den eigenen Reihen bekommt auch jeder seine Chance. Ein grundsätzliches Problem ist natürlich auch, die konstante Leistung zu bringen – aber für das soll die U23 da sein und den Spielern den nötigen Feinschliff geben.

Mag. Albert Mühlbacher: So ein Projekt muss sich entwickeln. Das steht außer Zweifel und daran arbeiten auch alle Verantwortlichen. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Im Herbst war es oft so, dass wir nur sieben, acht oder gar weniger Spieler beim Training waren; da war ein ordentliches Arbeiten nicht möglich. Jetzt im Frühjahr sieht das ganz anders aus und ich glaube, das merkt man auch als Außenstehender.


wienersportklub.at: Als routinierte Spieler seid ihr so etwas wie die „verlängerten Arme“ von Trainer Slobodan Batricevic auf dem Feld. Wie legt ihr das an?

Mag. Albert Mühlbacher: Ein Trainer kann eine Mannschaft nach bestem Wissen und Gewissen vorbereiten, sobald die Mannschaft aber auf dem Platz steht ist die Einflussnahme schon sehr beschränkt. Auf dem Platz kommt es auf die sogenannten Führungsspieler an. Von ihnen wird verlangt, innerhalb der Mannschaft für die Umsetzung der Vorgaben zu sorgen. Wenn es daher nicht ganz so läuft wie der Trainer sich das vorstellt, versucht man eben durch Aufzeigen von Problemen, durch das Einwirken auf Spieler oder das oft zitierte Zeichensetzen Veränderungen herbeizuführen. Wie ich das anlege? Das ergibt sich aus der Situation, ein Rezept habe ich dafür nicht.

Alexander Ehn: In erster Linie möchte ich jedes Spiel gewinnen, bemühe mich, die Voraussetzungen am Feld umzusetzen - und vor allem als Tormann den jungen Spielern von hinten Ruhe zu vermitteln bzw. in anderen Situationen die nötige Aggressivität zu geben.


wienersportklub.at: Früher – das wird da und dort auch heute noch so sein – sind ältere Spieler mit den Jungen alles andere als kollegial umgegangen. Üble Streiche und anachronistische Aktionen wie etwa das weitverbreitete „Pastan“ standen auf der Tagesordnung und zielte vor allem darauf ab, jungen Spielern „den Herrn“ zu zeigen. Ihr pflegt einen gänzlich anderen Umgang, seid bei euren Mitspielern aber dennoch anerkannt und werdet respektiert. Was ist eure Masche?

Alexander Ehn: Grundsätzlich: ein gewisser Respekt sollte von Spieler zu Spieler immer vorhanden sein. Natürlich erwarte ich mir aber auch den nötigen Respekt meiner Mitspieler. Sie müssen lernen, von älteren Spielern Meinungen zu akzeptieren. Wer schon einmal in der Kabine war, weiß, dass die Jungs bei uns älteren Spielern gut aufgehoben sind. In der gesamten Mannschaft herrscht ein harmonisches Verhältnis, Respekt und wir sind auch alle gute Freunde geworden.

Mag. Albert Mühlbacher: Ich erinnere mich als ich - noch im Nachwuchs spielend - das erste Mal zur Kampfmannschaft durfte. Damals war es für mich selbstverständlich, die Spieler neben dem Platz per „Sie“ anzusprechen und ihnen kein Mundwerk anzuhängen. Nach ein paar Tagen wurde ich akzeptiert und im Gegensatz zu damaligen Kollegen, in „Ruhe“ gelassen.

Dass einem oft von jungen Leuten mangelnder Respekt gezollt wird, ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem versuche ich andere so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte und aus eigener leidgeprüfter Erfahrung kann ich sagen, dass dieses Verhalten absolut unpassend ist. Spaß, Scherze und auch einmal ein Streich gehören dazu, sobald man aber persönlich oder verletzend wird, hört sich der Spaß auf.

Respekt muss man sich verdienen und dann kommt er von alleine. Warum sollte jemand vor mir Respekt haben, nur weil ich ihm im Rudel körperliches oder seelisches Leid zufüge? Ich denke, der Erfolg gibt mir recht.


wienersportklub.at: Ihr seid – was die Lautstärke betrifft – gänzlich unterschiedliche Typen. Während Alex fast seine komplette Mannschaft mit lautstarken Anweisungen „einteilt“, hört man von Albert kaum etwas. Spiegelt das eure Mentalität wider?

Alexander Ehn: Ich glaube schon, dass das so ist. Genau diese Mischung macht es vielleicht aus. Meine lautstarken Kommandos bzw. positiven Anfeuerungen - zumindest meistens - und die ruhigen, sachlichen Kommandos von Albert bringen die Harmonie fantastisch in unsere Mannschaft ein.

Mag. Albert Mühlbacher: Der Alex braucht halt seine Luft nicht für’s Laufen. Spaß beiseite: ich versuche Fehler eher in der Halbzeit oder nach dem Spiel anzusprechen. Ich denke, jeder weiß, wann er einen Fehler gemacht hat und dann muss man nicht noch während des Spiels darauf herumreiten. Da ist es wichtiger den Spieler wieder aufzumuntern, damit er konzentriert und im Spiel bleibt. Ich rede mit den Spielern so, dass sie mich hören können und denke, dass ich noch jeden ohne Schreien erreiche. Manchmal muss man auch lauter werden, aber da mir das nicht besonders liegt, versuche ich ohne auszukommen.


wienersportklub.at: Wie lauten eure fußballerischen Saisonziele – sowohl fürs Team als auch die individuellen?

Mag. Albert Mühlbacher: Ich hoffe, dass wir es schaffen, den einen oder anderen so weit zu bringen, dass er sich für die „Erste“ empfiehlt und im Sommer dann bei der Kampfmannschaft schwitzen darf. Nach meinem katastrophalen Herbst möchte ich vor allem verletzungsfrei den Jungen helfen.

Alexander Ehn: So viele Spiele wie möglich gewinnen, einen Tabellenplatz unter den ersten 5 – noch wichtiger ist aber, dass sich die Mannschaft weiter entwickelt. Mein persönliches Ziel: man lernt nie aus, sich auch selbst weiter zu entwickeln.


wienersportklub.at: Wie stehen die Chancen, dass ihr der WSK-U23 über diese Saison hinaus als Führungsspieler erhalten bleibt?

Alexander Ehn: Das könnte ich mir sehr gut vorstellen, aber es kommt auf mehrere Faktoren an.

Mag. Albert Mühlbacher: Diese Frage müssen andere beantworten. Aber solange nicht AC Milan bei mir anruft und ich es beruflich vereinbaren kann, bleibe ich sehr gerne.


wienersportklub.at: Fast zum Schluss seid ihr als Propheten gefragt: auf welchem Tabellenrang liegt die Sportklub-U23 nach Abschluss der aktuellen Meisterschaft und wie viele U23-Spieler stehen im nächstjährigen Kampfmannschafts-Kader?

Mag. Albert Mühlbacher: Der vierte Platz ist sicher realistisch. Wenn man bedenkt, dass das Gros der Spieler keine 18 ist, haben sie ja noch Zeit. Trotzdem hoffe ich, dass zumindest einer den Sprung schafft.

Alexander Ehn: Mein Tipp: 5. Rang. Zwei Spieler können sich nächste Saison in der Kampfmannschaft beweisen.


wienersportklub.at: Die U23 ist zwar „Publikumsmagnet“ in der Oberliga-A, dennoch kann man nie genug Zuschauer haben. Was kann man aus eurer Sicht tun, um das Zuschauerinteresse in Dornbach zu steigern?

Alexander Ehn:
o Sich durch leidenschaftlichen Fußball und gute Leistungen in die Köpfe der Menschen spielen
o Ermäßigte Eintrittspreise
o Gratis-Bier
o Wer die U23 einmal spielen gesehen hat, kommt immer wieder!

Mag. Albert Mühlbacher: Da sind einmal wir gefragt. Soll heißen, wenn wir attraktiven Fußball spielen und sich das herumspricht, werden sich viele sicher gerne ihre künftigen Lieblinge ansehen wollen. Auf der anderen Seite sollte man vielleicht auch über den Sonntagtermin nachdenken. Für viele ist der Sonntag der einzige Tag, wo man in Ruhe mit der Familie, Freunden etc. beisammen sein kann. Auch wenn der Fußball die schönste Nebensache der Welt ist, nach dem Spiel ist es Sonntagmittag und für einen Ausflug wahrscheinlich zu spät. Letztlich können das nur die Fans beantworten und es ist doch sicher ein Leichtes, eine Umfrage bei einem Spiel oder via Internet durchzuführen.


wienersportklub.at: Vielen Dank für das Gespräch!

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