


| Magazin | ![]() |
News | Interview/Portrait | Kommentare | Archiv | |
| Interview/Portrait | Je mehr Spieler es in die Kampfmannschaft schaffen, umso glücklicher bin ich | |||
| U23-Coach Slobodan Batricevic stand vor Beginn der Oberliga-A-Frühjahrsmeisterschaft wienersportklub.at Rede und Antwort. Bevor wir über die kommende Frühjahrssaison sprechen, hätte ich gerne Ihre Einschätzung zum bisherigen Saisonverlauf. Wie sehen Sie rückblickend Ihr erstes halbes Jahr als U23-Trainer? S.B.: Anfangs hatten wir mit Problemen zu kämpfen. Uns stand ein komplett neuer Kader zur Verfügung, ich kannte die meisten Spieler überhaupt nicht. Im Laufe der Zeit mussten wir aus dem 23 Spieler umfassenden Kader selektieren. Am Ende blieben nur elf U23-Spieler übrig, die wir in der Winterpause mit sieben U19-Spielern verstärkt haben. In diesem Zusammenhang muss auch die gute Arbeit von U19-Trainer Dragan Marmat hervorgehoben werden, der im Herbst viel dafür getan hat, dass diese Spieler auch in der U23 konkurrenzfähig sind. Die von Marmat trainierten Nachwuchsspieler sind erfreulicherweise sehr talentiert und wurden als Belohnung für ihre guten Leistungen in der U19-Herbstmeisterschaft zur U23 geholt. Sie haben schon in der ganzen Wintervorbereitungszeit mittrainiert und es sind gute Fortschritte zu erkennen. Diese Spieler sind auch technisch und taktisch besser als jene, die uns in der Winterpause verlassen haben. Trotzdem wird es für jeden einzelnen ein langer und harter Weg. Ihre Mannschaft liegt im gesicherten Mittelfeld der Oberliga A und hat sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Klassenzugehörigkeit bereits gesichert. Während man zu Meisterschaftsbeginn vor allem auf Kaderspieler und Neuverpflichtungen gesetzt hat, wurden gegen Ende der Herbstmeisterschaft immer öfter Eigengewächse eingesetzt. Weshalb hat man sich erst relativ spät zu diesem Schritt entschlossen? S.B.: Wie gesagt: am Anfang hatten wir wegen des komplett neuen Kaders Probleme und das hat mir auch ein wenig Sorgen bereitet. Dann hatten wir aber eine sehr gute Serie mit neun oder zehn Spielen ohne Niederlage. Dadurch hatten wir genug Punkte und dann konnten wir die jungen Spieler zum Einsatz bringen. Außerdem kommen von der Kampfmannschaft immer wieder Spieler runter, die sich in der U23 bewähren sollen – etwa Ergün, Jedlicka, Kosch, Yurt, Englisch oder Mitrovic. Dadurch herrscht auch bei uns ein großer aber gesunder Konkurrenzkampf. Das heißt, dass die Nachwuchsspieler um drei oder vier Plätze kämpfen müssen. Es gab in Ihrer Mannschaft in der Winterpause einige personelle Änderungen – so haben doch einige Akteure den Verein verlassen. Der prominenteste Abgang war Osman Ali, der erfolgreichste U23-Torschütze der Herbstsaison. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass es nach nur wenigen Monaten zu einer derartigen Personalfluktuation gekommen ist? S.B.: Allam, Pfeiffer, Gibic, Weber, Katic, Ademoski – also eine ganze Reihe von Spielern hatte nicht die nötige Qualität oder nicht die erforderliche Einstellung zum Sport. Deshalb war dieser Schritt absolut notwendig. Osman Ali war ein Sonderfall: er konnte sich in der Kampfmannschaft nicht durchsetzen. Ich war mit seiner Leistung im Herbst sehr zufrieden. Ich denke, wir haben durch den Spielerwechsel zwei Fliegen mit einem Schlag erwischt: wir haben nun Spieler mit besserer Qualität und sie sind zudem jünger. Die Vorbereitung auf die bevorstehende Frühjahrssaison geht langsam zu Ende. Auffallend war, dass sie gänzlich auf Kaderspieler verzichtet haben. Neben einigen wenigen „gestandenen Führungsspielern“ wie etwa Alex Ehn oder Mag. Albert Mühlbacher haben sie fast ausschließlich Spieler aus dem eigenen Nachwuchs eingesetzt. Was waren die Gründe dafür? S.B.: Wegen Verletzung oder Krankheit standen in der Vorbereitung keine Spieler aus der Kampfmannschaft zur Verfügung, was in dieser Periode nicht selten ist. So war es eine günstige Gelegenheit, dass Nachwuchsspieler bei der U23 reinschnuppern. Spieler wie etwa Lukas Grozurek, Markus Juric und Mirza Berkovic haben ihre Chance genützt. Sehen Sie Nachwuchsspieler wie etwa Florian Grozurek, Manuel Zaloudek oder Alexandru Chirliuc schon als U23-Kaderspieler oder noch als „Paternoster-Akteure“, die zwischen U19 und U23 pendeln? S.B.: Ich habe den Spielern gleich am Anfang der Vorbereitung gesagt, sie trainieren mit der U23 und sind auch U23-Kaderspieler. Ich habe ihnen aber auch nicht verschwiegen, dass immer wieder Spieler von der Kampfmannschaft runterkommen und in der Meisterschaft muss jeder von ihnen rechnen, dass er die eine oder andere Woche nicht dabei ist. Die Spieler mit weniger Spielpraxis werden unter der Woche bei der U19 spielen. Wie geht man mit etwaigen Doppelbelastungen von Spielern, also Einsätze sowohl in der U19 als auch in der U23, um? S.B.: Das wird wahrscheinlich selten passieren. Wenn doch, dann ist es nicht so tragisch. In diesem Alter halten sie das leicht aus. Wie wichtig war die Verpflichtung eines Alex Ehn, eines Mag. Albert Mühlbacher oder auch eines Armin Dopplinger als Führungsspieler für die junge Truppe? S.B.: Meiner Meinung nach war das sehr entscheidend. Die drei sind sowohl als Spieler als auch charakterlich vorbildlich. Sie können der Mannschaft helfen – als ältere Kollegen sozusagen. Bei jungen Spielern kommt es immer wieder zu Formschwankungen und da bringen so erfahrene Spieler Ruhe und Kontinuität in die Mannschaft. Solche Leute garantieren, dass wir konstant auf einem Niveau spielen können. Wie zufrieden waren Sie generell mit der Vorbereitung und hier insbesondere mit den getesteten Nachwuchsspielern? S.B.: Ich war durchaus zufrieden. Es war zwar ab und zu kalt, aber wir konnten immer trainieren. Es gab keine einzige abgesagte Trainingsheit, obwohl wir vier Mal in der Woche trainieren. Es war nicht immer leicht, weil wir den Trainingsplatz ab und zu mit anderen Mannschaften teilen mussten, aber die Zusammenarbeit mit den anderen Trainerkollegen klappt ausgezeichnet. Wir finden immer eine Lösung. Zu den Vorbereitungsspielen: wir haben gut angefangen. Gegen Gmünd, Rohrbach und Königstetten haben wir gute Spiele abgeliefert, gegen die Vienna-U19 sind wir mit einer jungen Mannschaft angetreten. In der vergangenen Woche hatten wir ein kleines Tief. Da gab es auch die Niederlagen gegen Ottakring und Siemens, obwohl wir beide Spiele gewinnen hätten können. Da hat man gemerkt, dass bei manchem jungen Spieler die Kondition über 90 Minuten noch nicht reicht. Außerdem hatten wir nicht alle Stürmer zur Verfügung – Kaliki war verletzt, Lukas Grozurek abwesend – so musste Manuel Zaloudek vorige Woche mit anderen Stürmerkollegen zusammenspielen. Da habe ich mit Alexandru Chirliuc improvisiert. Die zwei Niederlagen in der Vorbereitung sind aber nicht tragisch. Ich habe gerade heute der Mannschaft gesagt, dass es Momente gibt, wo eine Niederlage heilsam sein kann. Dadurch sehen die Spieler, dass wir doch noch nicht so gut sind, wie mancher glaubt. Sehen Sie das bevorstehende Testspiel gegen den Wienerligisten LAC als ersten Gradmesser? Gegen die Landstraßer hatte sogar die Kampfmannschaft große Mühe. S.B.: Ich habe das Spiel gesehen. Die waren gegen unsere Kampfmannschaft sehr motiviert. Ich erwarte nicht, dass sie gegen unsere U23 nochmals mit der gleichen Motivation antreten werden. Es ist immerhin eine Wiener Liga-Mannschaft, wir haben dann am kommenden Samstag gleich die nächste Mannschaft aus dieser Liga und da können wir dann mehr über uns sagen. Es wird aber wieder die Frage sein, wer von oben bei uns mit dabei ist. Von Ihren Schützlingen hört man nur Lob über die Qualität Ihres Trainings. Als langjähriger Beobachter der Dornbacher Nachwuchsszene habe ich in der Vergangenheit manchmal die nötige Ernsthaftigkeit, die Grundvoraussetzung für den Sprung in die Kampfmannschaft ist, vermisst. Die Jungs scheinen nun wesentlich konzentrierter und fokussierter ans Werk zu gehen. Sie sind ganz offensichtlich bereit, sich auch im Training zu quälen und um individuelle Verbesserung bemüht. Wie führt man einen derartigen Sinneswandel herbei? S.B.: Ich bin dafür, dass man beim Training Spaß hat, aber im Vordergrund steht natürlich die Arbeit. Für mich muss jeder Spieler ein Ziel haben, wenn er zum Ziel kommen will, muss er sich plagen und quälen. Dass nicht jeder in der Lage ist, sich zu quälen, hat man in der Herbstsaison gesehen. Wem die Qualität fehlt oder wer keine Einstellung hat, kriegt früher oder später Probleme mit mir. Für mich ist wichtig, dass ich Fortschritte erkennen kann. Wenn ein Spieler sechs Monate auf dem gleichen Niveau bleibt, dann frage ich mich selber auch, welche Fehler möglicherweise passiert sind. Ich neige dann auch dazu, bei mir die Fehler zu suchen. 17- oder 18-Jährige sind in einem schwierigen Alter, da stehen junge Menschen an einer Kreuzung und müssen sich für einen Weg entscheiden: Schule, Freundin, Bundesheer, Fahrschule und Fußball. Die Spieler müssen Entscheidungen treffen und als Trainer will ich ihnen dabei helfen. In der anstehenden Frühjahrsmeisterschaft wird vermutlich wieder stärker auf Kaderspieler zurückgegriffen werden. Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Nachwuchskicker aufgrund seiner doch recht häufigen U23-Einsatzzeiten in der Vorbereitung auch mit Einsätzen im Meisterschaftsbetrieb rechnen wird und dann enttäuscht ist, dass es doch nicht zu einer Nominierung gereicht hat. Was sagen Sie diesen Spielern? S.B.: Ich kann nur hoffen, dass die Spieler nicht enttäuscht sind, ich habe das angesprochen und die Spieler darauf vorbereitet. Es ist ihnen hoffentlich bewusst, was passieren kann und was höchstwahrscheinlich auch passieren wird. Keiner von ihnen ist eine Maschine, es wird wahrscheinlich bei dem einen oder dem anderen Spieler zu Problemen kommen. Da muss ein Trainer natürlich mit den Spielern reden und das Vier-Augen-Gespräch suchen. Wir wollen die Spieler ausbilden, wir wollen die Qualität anheben und unterm Strich darf es keine Gnade geben. Da hilft es auch nicht, wenn man sagt, wir sind alle gute Menschen und Freude – das allein gilt nicht als Qualifikation, es zählt einzig und allein die Leistung. Das ist Sinn und Zweck meiner Arbeit – der Beste setzt sich durch. Ein interessanter Aspekt ist auch die Interaktion zwischen Ihnen und Chefcoach Peter Schöttel hinsichtlich der Kaderzusammenstellung. Ich nehme an, dass Kaderspieler, die in der Kampfmannschaft nicht zum Zug kommen, sich über die U23 für die Kampfmannschaft empfehlen und hier eine Chance bekommen sollen. Peter Schöttel wird bei solchen Spielern kaum Rückmeldung von Ihnen brauchen, weil er sie ohnehin vom täglichen Training kennt. Was aber passiert im anderen Fall, wenn sich einer Ihrer Schützlinge, den Peter Schöttel noch nicht gut genug kennt, für einen Einsatz in der „Ersten“ empfiehlt? S.B.: Das Zusammenspiel klappt meiner Meinung nach perfekt. Man muss die Prioritäten anerkennen. Die erste Priorität hat die Kampfmannschaft, dann kommen die U23 und die restlichen Nachwuchsmannschaften. Es gibt eine gewisse Hierarchie, das heißt, was Peter Schöttel wünscht, wird von mir umgesetzt. Ich bekomme gewisse Spieler von oben, wo schon im Vorfeld feststeht, auf welchen Positionen sie spielen werden. Was während des U23-Spiels passiert, ist immer meine Entscheidung. Wenn ein Kaderspieler keine gute Leistung bringt oder die richtige Einstellung vermissen lässt, kann ich ihn nach 15 Minuten austauschen. Grundsätzlich sprechen wir schon beim Abschlusstraining darüber. Bei vielen U23-Spielen war Peter Schöttel auch dabei und hat die Spieler selbst gesehen. Wenn er nicht dabei war, haben wir über die Leistungen der Kaderspieler gesprochen. Sollte ein U23-Spieler, also nicht einer aus dem Kampfmannschafts-Kader, ansprechende Leistungen zeigen, dann gehört es selbstverständlich zu meinen Aufgaben, solche Spieler zu empfehlen. In der U23-Herbstmeisterschaft musste ich als Zuseher von außerhalb den Eindruck gewinnen, dass bei Kaderspielern offensichtlich zwei „Denkschulen“ vorherrschen. Die einen – etwa die Herren Rathfuss und Szabo – begriffen ihr Engagement in der U23 als Chance, wodurch sie sich dank sehr guter Leistungen nach wenigen Runden wieder für die Kampfmannschaft empfahlen, bei anderen wiederum hatte man das Gefühl, als ob es eine „Strafe“ für sie wäre, bei der „Reserve“ auflaufen zu müssen. Täuscht dieser Eindruck? S.B.: Das stimmt schon. Rathfuss, Szabo und Osman Ali haben mit vollem Einsatz gespielt und die Chance über die U23 genützt. Umgekehrt gab es am Anfang Schwierigkeiten mit Matej Mitrovic, dem zu Beginn drei oder vier Spiele ein wenig die Motivation gefehlt hat. Ich habe dann zwei oder drei Mal mit ihm unter der Woche gesprochen. Mittlerweile hat er seine Einstellung geändert und dann auch einige gute Spiele abgeliefert. Mit Daniel Englisch gab’s auch ein Problem – er ist sogar selbst zu mir gekommen und hat das Gespräch gesucht. Aber auch er kämpft und versucht, gut zu spielen. Man muss diesen Spielern immer sagen, dass ihre Einsätze bei der U23 keine „Degradierung“ sind und sie dabei auch sehr viel Spaß haben können. Im Herbst zeigte ihre Mannschaft eine gewisse Auswärtsschwäche (Anmerkung: 7 Punkte aus ebenso vielen Spielen bei nur fünf erzielten Treffern), während man zuhause im Schnitt zwei Punkte pro Match einfuhr. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass es auswärts noch nicht nach Wunsch klappt? S.B.: An mehreren Sachen wahrscheinlich. Wir tun uns auf dem großen und breiten Sport-Club-Platz leichter, das Spiel zu machen als beispielsweise auf dem Red Star-Kunstrasenplatz gegen Dinamo Ottakring oder auf schwierigen Plätze wie Oberlaa oder Wiener Viktoria – das soll aber keine Ausrede sein. Am großen Platz kommt unsere konditionelle Stärke – wir sind in dieser Liga den meisten Mannschaften konditionell überlegen – besser zum Tragen. Außerdem ist unsere Mannschaft noch sehr jung, sie tut sich leichter, wenn sie zu Hause spielen kann. Wie lauten Ihre Ziele für die bevorstehende Frühjahrssaison? S.B.: Für mich ist erstes Ziel, dass der eine oder andere Spieler im Sommer seinen Platz in der Kampfmannschaft findet. Je mehr Spieler das schaffen, umso glücklicher bin ich. Für mich steht die Ausbildung der Jungen im Vordergrund. Andererseits freut es mich als Fußballtrainer natürlich sehr, wenn wir viele Punkte machen würden und wir uns in der Tabelle verbessern. Wenn man Punkte macht, ist die Stimmung besser, es lässt sich leichter arbeiten und es macht auch mehr Spaß. Aber erste Priorität hat für mich die individuelle Förderung der Spieler. Ich war fünf Jahre im LASK-BNZ tätig und kann mich nicht mehr an die einzelnen Endplatzierungen in der Meisterschaft erinnern. Sehr wohl erinnere ich mich aber an Spieler wie Hoheneder, Klein, Idrizaj, Ruckendorfer oder Zaglmaier. Diese Namen wecken schöne Erinnerungen an die Arbeit und ich bin stolz, dass sie es in die oberste Spielklasse geschafft haben. Nachdem was man aus dem Umfeld so hört, wird Ihre Arbeit hoch geschätzt. Wie lange läuft Ihr Vertrag und können Sie sich vorstellen, auch darüber hinaus in dieser Funktion tätig zu sein? S.B.: Wir haben voriges Jahr bis Sommer 2008 ausgemacht. Mittlerweile habe ich mit Präsident Ing. Dvoracek darüber gesprochen und voraussichtlich werde ich die Arbeit beim Wiener Sportklub fortsetzen. Ich bin froh, dass ich bei einem gut geführten Verein arbeiten kann, dass ich bei meiner Arbeit viele Freiheiten habe und viel Unterstützung von den Mitarbeitern habe. Die Stimmung ist gut und im Moment spricht nichts dagegen, dass ich beim Sportklub bleibe. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Batricevic, und viel Erfolg für die anstehende Frühjahrssaison. © Wiener Sportklub [1338] - [drucken] | ||||
Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | AGBs © 2003 - 2013 wienersportklub.at |

